Wald kaufen ja. Eigentümer sein? Nein

Waldflächen kaufen ist nicht schwierig…

wenn Sie die richtigen Vorbereitungen dazu getroffen haben. Doch zunächst eine interessante Fragestellung zur Situation in Deutschland:

Gibt es in Deutschland wirklich noch privates Waldeigentum?

In der in Realität angespannten Situation an den europäischen Finanzmärkten, aber einer Scheinerholung für die breite Bevölekerungsmasse,  ist die Idee einer bald einsetzenden bedrohlichen  Inflation eigentlich eine “verrückte” Idee. Auch wenn die Massenmedien das anders sehen und es auf den Straßen nicht danach aussieht, ist sie aber unausweichlich und zeigt bereits Ihre Auswirkung. Je nach Situation des Anlegers, rücken dadurch immer stärker Sachwerte oder reale Werte in den Vordergrund der Anlagestrategie. Viele zieht es daher auch zum Waldkauf sowohl in Deutschland als auch international.

Aber wie sieht es in Deutschland eigentlich mit dem Wald aus? Kann man ihn einfach kaufen oder gibt es da Beschränkungen?
Wie Sie es wahrscheinlich schon vermuteten, ist auch der Waldbesitz in Deutschland „gut“ geregelt. Es heißt ja nicht umsonst Besitz und nicht Eigentum. Ich würde sogar frech behaupten, selbst wenn es offiziell privaten Waldbesitz in Deutschland gibt, es sich dennoch nicht um einen wirklichen privaten Besitz oder Eigentum handelt.

Waldeigentum ist aus dem gesellschaftspolitischen Blickwinkel ein heiß diskutiertes Thema. Bevor wir aber weiter einsteigen, gebe ich Ihnen einen kurzen Überblick zum Waldbesitz in Deutschland. Es gibt Staatswald, Kommunalwald und Privatwald. Diese Besitzkategorien haben eine weitreichende Geschichte haben.

Mit 46% Anteil an Privatwaldbesitz ist die BRD im europäischen Vergleich recht weit unten angesiedelt. In Frankreich liegt der Anteil um 80%. Die Anzahl an bäuerlichen Privatbesitzern geht aktuell zurück und die Zahl der Kleinstwaldbesitzer nimmt zu. Hier geht es um Flächen von unter fünf Hektar. Eine Verbindung zur Landwirtschaft gibt es dabei nicht mehr.

Der Wald, der sich im Alleineigentum des Bundes befindet, wird auch als Staatswald bezeichnet. Er macht einen Anteil von 34% aus. In Deutschland gibt es eine Gesamtwaldfläche von 10,7 Mio. Hektar. Neben dieser Form des Waldbesitzes gibt es den Wald der im Alleineigentum der Gemeinden, Gemeindeverbände und Zweckverbände steht. Er wird als Körperschaftswald bezeichnet. Der Anteil an der Gesamtwaldfläche liegt bei 20%.
Bisher war es immer etwas kompliziert und aufwändig, die tatsächliche Anzahl der Waldeigentümer in Deutschland zu bestimmen. Laut dem jährlich erscheinenden Agrarbericht der BRD gibt es 450 000 Forstbetriebe. Hiervon weisen 78% eine Flächengröße zwischen 1 und 5 Hektar auf.

Statistisch werden Waldbesitzer mit weniger als einem Hektar Waldfläche erst gar nicht erfasst. Es ist aber möglich aus der nicht erfassten Waldfläche von ca. 800 000 Hektar zu schlussfolgern, dass es sich um 800 000 Waldeigentümer handeln muss.
Durch die lange Tradition der Sozialbindung des Waldeigentums ist bereits vermutbar, dass der private Waldbesitz alles andere als eine freiheitliche Angelegenheit ist. Fern ab in Costa Rica, wo zwar auch gewisse Regeln zum Umweltschutz eingehalten werden müssen, ist beim deutschen Waldbesitz die staatliche Einmischung im großen Stil bereits vorprogrammiert.

Waldeigentümer können mit ihrem Eigentum nicht machen, was sie möchten. Über die Gesetzeslage wird ihnen hier kräftig reingeredet und so  müssen sie verbindliche Auflagen bezüglich der Bewirtschaftung erfüllen. Ein nach ökonomischen Prinzipien gestalteter Bewirtschaftungsplan ist damit nur stark eingeschränkt möglich. Im Vergleich hierzu ist dies in Costa Rica möglich. Lediglich das Fällen von geschützten Bäumen, Primär-und Sekundärregenwald und das Einhalten eines bestimmten Abstands zu Flussgebieten und Grundwasserschichten muss gewährleistet sein.

In Deutschland wird die Erholungs-, Nutz-, und Schutzfunktion des Waldes staatlich kontrolliert und geschützt. Eine weitere Einschränkung der Freiheit für den privaten Besitz bildet die zunehmende ökologische Sensibilisierung der Bevölkerung und die damit einhergehenden Forderungen. Aus diesem Grund müssen vorgeschriebene Waldnutzungskonzepte umgesetzt werden. Für einen individuellen Bewirtschaftungsplan ist dabei kein Platz. Im Folgenden sind einige recht heiß diskutierte Forderungen aus dem Bereich der ökologisch sensibilisierten Bevölkerung aufgeführt:

  • Naturschutzgebiete müssen im Privatwald ausgewiesen werden
  • Nutzungsverzicht durch ein Stehenlassen einzelner Bäume über das ökonomische Optimum hinaus
  • Das Gewähren natürlicher Zersetzungsprozesse an absterbenden stehenden oder bereits am Boden liegender Bäumen. Dadurch sollen Totholzanteile erhöht werden, damit sich darauf spezialisierte Tier- und Pflanzenarten entwickeln können
  • Einschränkung der freien Auswahl von Baumarten und damit ein Verzicht des Anbaus bestimmter, sehr raschwüchsiger und daher wertvoller, aber in Deutschland nicht heimischer Baumarten
  • Der Verzicht auf den weiteren Bau von Waldwegen

All diese Vorschriften haben einen deutlichen Einnahmeverlust der ohnehin nicht unbedingt sehr rentablen einheimischen Baumarten zur Folge.
Diese Situation hat nicht viel mit privatem Besitz zu tun, da die gesetzliche Einmischung schon besonders groß ist und eine rentable Bewirtschaftung dadurch unmöglich wird. Verglichen damit sind in dem Schwellenland Costa Rica die Eigentumsrechte stärker geschützt als in Deutschland. Solange sich der jeweilige Eigentümer an die Umweltschutzgesetze hält und keine anderen Menschen gefährdet, darf er mit seinem Eigentum tun und lassen was er möchte.

In Deutschland gibt es das Bundeswaldgesetz das weitere Einschränkungen am Privatbesitz von Wald vornimmt. So darf man zwar einen Kahlschlag durchführen, hat aber die Pflicht den Wald wieder aufzuforsten (§9 (1) + (2), § 11)

Dass der private Waldbesitz eigentlich keiner ist wird auch im nächsten Paragraph klar. Denn das Betreten des Waldes ist jedermann gestattet. Der eigentliche Waldbesitzer darf das nicht verbieten. In diesem Zusammenhang hat sogar die lokale Behörde mehr Befugnisse und kann das Betreten anstatt des Waldeigentümers verbieten §14 (1) + (2). Wer ist denn nun der Eigentümer?

Um der sehr fraglichen Eigentumssituation noch das I-Tüpfelchen aufzusetzen, kann der Privatwald zu Erholungswald erklärt werden und damit ist dann der letzte eigentlich nie vorhanden gewesene Eigentumsrest verpufft.

Fazit: Als Liebhaber ist der Waldbesitz in Deutschland sicherlich interessant, vielleicht in sehr eingeschränkter Form auch als Schutz vor inflationären Entwicklungen. Als Investition ist das allerdings durch den sehr wackligen Eigentumsschutz eine eher riskante Geldanlage. Dem Risiko steht leider nicht gerade eine hohe Rendite gegenüber, die das recht hohe Enteignungsrisiko oder die eher unrentablen Bewirtschaftungspläne rechtfertigen würde.

Der Waldeigentum in entfernten Costa Rica ist im direkten Vergleich wesentlich einfacher. Dort wird der Eigentumsschutz gewährt. Das Risiko einer Enteignung durch die sehr geringe Einmischung des Staates ist nahezu Null. Da in diesem Land auch Edelholz nach ökonomischen Gesichtspunkten bewirtschaftet werden kann, sind die Renditen weitaus höher als beim Deutschen Wald.

Zum Abschluss ein interessantes Video zum Thema Waldflächen Simulation: